Home > Material > Texte > Offener Brief zu den “Gegenaktivitäten” beim RfD in Gera 2013
JURI - Linke Gruppe

Liebe engagierte Menschen in Gera,
recht wohlwollend haben wir zur Kenntnis genommen, dass die diesjährigen Gegenaktivitäten zum “Rock für Deutschland” von einem engagierten lokalen Kreis an Menschen organisiert wurden. Nicht nur, dass ihr sicher die Verhältnisse und Möglichkeiten vor Ort am Besten einschätzen könnt, auch langwierige und oft schwierige Bündnisprozesse konnten so umgangen werden. Eigentlich war es also eine komfortable Situation für Alle – so konnten die ausgearbeiteten Ideen entweder unterstützt oder durch Auswärtige für sich selbst verworfen werden. Einfach, bündnistechnisch relativ stressfrei – und es blieb potentiell Raum für andere Aktionsformen. Rückblickend müssen wir allerdings feststellen:

Wir glauben es hackt wohl!

Wurde über die geplante Störaktion gegen das “RfD”, im Vorfeld doch eher hinter vorgehaltener Hand geredet, mussten wir davon ausgehen, dass diese tatsächlich ohne das Wissen von Polizei und Nazis durchgeführt werden sollte. Genau diesen Eindruck habt ihr auch über eure Pressemitteilungen bzw. am Aktionstag auch über Facebook und co. vermittelt.
Das dem nicht so war, habt ihr elegant verschwiegen. Dass Nazis als Reaktion auf euer schönes Pressefoto auf dem RfD eine Gegenkundgebung besuchen, dass ist nicht schön, wäre aber vielleicht verschmerzbar gewesen. Dass ihr allerdings mit Zustimmung des Versammlungsleiters der Nazis auf ihrem Fest gewesen seid und ihr bei der Absprache dieser Aktion mit Nazis und Polizei bereitwillig zugestimmt habt, dass Nazis dann auch die Gegenkundgebung besuchen dürfen, ist ja wohl mehr als ein schlechter Witz.
Dass dies auch noch ohne Rücksprache mit dem Versammlungsleiter der Gegenkundgebung geschah, ist nicht nur frech, sondern auch in höchstem Maße unsolidarisch. Ihr habt mit diesem Verhalten Teilnehmer*innen dieser Versammlung einer unnötigen Gefahr ausgesetzt. Dass es an diesem Punkt nicht zu Auseinandersetzungen kam und damit eventuell auch zu Anzeigen und Repression gegen Antifaschist*innen, ist wohl eher als glücklicher Zufall zu bezeichnen, als dass es eurer sorgfältigen Planung zugeschrieben werden kann.
Ihr habt Teilnehmer*innen einer Kundgebung bewusst in ihrer körperlichen Unversehrtheit gefährdet, den Nazis 1A Positionen zum Fotografieren gegeben, was sie auch bereitwillig nutzten, die Versammlungsleiter dazu genötigt (dank eurer Absprachen) den Nazis einen Platz auf ihrer Kundgebung zuzuweisen und feiert euch noch mit Falschdarstellungen im Internet dafür. War euch dieses sinnlose Foto für die Presse also wirklich die potentiellen Folgen wert? Selbst wenn ihr das so noch nicht bedacht hattet, bleibt euer Verhalten doch in höchstem Maße gefährlich und unsolidarisch gegenüber allen Antifaschist*innen, die den Weg nach Gera gefunden haben. Dabei reden wir hier noch gar nicht von dem Fakt, was wir eigentlich davon halten das ihr Absprachen mit Nazis trefft um eure, rein pressewirksamen, Ziele zu verfolgen und dabei Alles und Alle mit Füßen tretet, die in der Tat Engagement gegen und nicht mit Nazis zeigen.

Alles, was wir wollen, ist nichts mit euch zu tun zu haben!

Wir wollen dies hier auch nicht unnötig weiter im Detail ausführen. Aber wir hoffen euch ist klar, dass ihr mit dieser selten dämlichen Aktion viel Kredit bei ehemaligen Bündnispartner*innen verspielt habt. Auch haben wir nach dieser Aktion berechtigte Zweifel, ob ihr überhaupt soetwas wie ein antifaschistisches Politikverständnis habt – oder einfach nur die besseren Heimat- und Standortschützer für Gera sein wollt. Ob wir uns nochmal mit euch an einen Tisch setzen? Nach dieser Aktion wohl kaum! Lieber campen oder daheim bleiben – als Hand in Hand mit Nazis, “gegen” Nazis. Und ein kleiner Tipp am Rande: meldet Eure Kundgebungen in Zukunft mal selber an, im Rahmen eures zivilgesellschaftlichen Engagements.

JURI – Linke Gruppe